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Zurück in der Zeit – Auf den Spuren der Maya

So viel Gegenwart, so viel aktuelle Kultur. Als wir Mexiko Stadt verließen, war klar: Ab jetzt musste es etwas ruhiger zugehen. Unser Weg führte uns nach Mérida im Bundesstaat Yucatán. Dort übernachteten wir wieder bei Paola und ihrer Familie. Auf unserem Reiseplan stand nun, mehr über die Kultur der Maya zu erfahren. Dafür waren wir hier genau richtig, denn Mérida liegt mehr oder weniger im Zentrum des einstigen Machtbereiches der Maya. Doch natürlich hatte die Stadt so ziemlich gar nichts mehr von der alten Kultur zu bieten. Tatsächlich wurde sie zur Zeit der Kolonialisierung erst richtig errichtet und zu wahrer Größe geführt. Daher stand fest: Um die Maya-Kultur so richtig zu erleben, mussten wir noch weiterreisen.

Nächstes Ziel: Chichén Itzá

Die Maya-Ruine liegt etwa 120 Kilometer südöstlich von Mérida und ist mit 1547 Hektar eine der größten erhaltenen Stätten überhaupt. 1988 zum Weltkulturerbe erklärt ist sie heute für viele Touristen der Anlaufpunkt schlechthin. Eine Mexiko-Reise ohne Chichén Itzá? Undenkbar!

Das Areal wird umgrenzt von zahlreichen Hotels und dem ein oder anderen Restaurant. Bereits morgens um acht Uhr ist auf dem Parkplatz jede Menge los und die ersten Busreisen werfen Touristen aus. Wie uns einer der Busfahrer erzählt, haben wir jedoch noch Glück. Zehn Minuten Wartezeit am Morgen? Das ist nichts gegenüber zwei Stunden Wartezeit am Mittag, wenn so viele Busse ankommen, dass man kaum noch einen Platz findet, an dem sich die Menschen nicht gegenseitig auf die Füße treten.

Das Eingangszentrum mit obligatorischem Souvenirshop und Toiletten wird direkt flankiert von Händlern, die weitere Souvenirs feilbieten. Wer sich den Weg unter den Schatten spendenden Bäumen durchschlängelt, gelangt auf einen großen Platz, auf dem die Pyramide des Kukulcán so zentral platziert ist, dass sie erstmal als einzige auffällt. Die 30m hohe Stufenpyramide ist typisch für die Maya symmetrisch aufgebaut, ganz wie man es von Mathematikern erwartet. Sie ist jedoch nicht aufgrund ihrer imposanten Höhe und der erstaunlichen Baukunst so berühmt. Zweimal im Jahr zur Tagundnachtgleiche sowie eine Tage davor und danach versinkt eine Seite der Pyramide gänzlich im Schatten. Dann wird nur noch ein Teil der Treppen von der Sonne beschienen und verbindet sich mit einem Schlangenkopf am Fuß der Pyramide. Ob ein errechneter und gewollter Effekt oder eher zufällig, er verfehlt seine Wirkung nicht. Jährlich reisen tausende von Menschen an, nur um dieses Spektakel zu beobachten.

Erst nach und nach habe ich die vielen weiteren Gebäude und Ruinen bemerkt, die am Rande des Platzes errichtet worden waren: Das Ballspielfeld, der Sockel der Venus, der Kriegertempel, die Gruppe der tausend Säulen. Das Areal ist gigantisch und wir benötigten den ganzen Morgen und einen Teil des Mittags, um alles zu erkunden. Schließlich war es auch der Hunger, der uns in die Knie zwang, und nicht das Ausgehen an Sehenswürdigkeiten. Besonders imposant? Die zahlreichen Schädel, welche die Maya in mehrere Sockel einarbeiteten zu Ehren besiegter Gegner. Auch nach hunderten von Jahren lassen sich Gesichtszüge erkennen und die „Totenwand“ verfehlte mit Sicherheit nicht ihre Wirkung: Sie wirkte einschüchternd, aber in gewisser Weise sorgte sie auch dafür, dass man den Besiegten Respekt zollte. Es war nämlich nicht leicht, seine Augen davon abzuwenden.

Die beiden Cenoten, Karsthöhlen, an zwei Seiten des Areals dienten den Maya als Brunnen. Doch auch hier wurde reichlich geopfert. Schon beim Blick in den tiefen Schlund eines dieser Löcher konnte einem gehörig mulmig zumutewerden. Inwiefern die Menschen es damals als Ehre empfinden konnten, dort hinunter zu stürzen, will mir ein Rätsel bleiben.

Noch irritierender, wenn nicht sogar verstörend empfand ich die Regeln des Ballspiels. Die Spieler durften den Ball nur mit Schultern oder Ellenbogen befördern. Ziel war es, ihn durch den gegnerischen Steinring zu werfen. Ein Spiel richtete sich stets nach dem Stand der Sonne und dauerte an, bis das gesamte Spielfeld in den Schatten lag. Es gibt Berichte, die besagen, der Ball brannte während dem Spiel zu ehren des Sonnengottes. Ob das stimmt oder ob uns da einer der Guides einen Bären aufgebunden hat, lass ich mal so stehen. Tatsache ist, dass die Gewinnermannschaft sich als ehrenhaft genug erwiesen hat, sich selbst einem der großen Götter zu opfern. Das muss man erstmal sacken lassen. Da spielt man einen ganzen Tag mit einem Ball um die Ehre, anschließend zu sterben. Jedem das Seine, denk ich mir da.

Nach dem langen Vormittag beschlossen wir, uns etwas zu gönnen. Daher machten wir uns auf den Weg zur Cenote Ik‘Kil, die von einem Privatbesitzer als kleines Badeparadies betrieben wird. Dschungelfeeling inklusive. Für uns genau das Richtige zur Erholung. Das kalte klare Wasser wird unterirdisch gespeist und ist über Höhlengänge mit weiteren Cenoten verbunden. Daher hatten sich auch einige wenige Fische in die Cenote verirrt. Spektakulär war allerdings, wie klar das Wasser war. Einfach fantastisch. Und es führte einen unserer Begleiter, Daniel, dazu, mir zu erzählen, wie die Wasserwege für die Maya zu entscheidenden Handelswegen wurden. In Kayak-ähnlichen Booten transportierten sie ihre Waren quer durch das ganze Land bis an die Küste und zurück. Umweltfreundlich, schnell und effektiv. Denn natürlich waren die wichtigen Städte allesamt in der Nähe von solchen Wasserwegen errichtet worden. Es ist an sich keine große Sache, schließlich verlief die Geschichte in Europa ganz ähnlich. Dennoch fand ich es spannend, mir die Menschen, die einer so hoch entwickelten Kultur angehörten, in kleinen Booten beim Handel vorzustellen. Mathematik ist eben auch nicht alles, irgendwie muss man sich auch ernähren.

Doch damit erstmal genug von den Maya. Für uns ging es zurück nach Mérida und damit in die Kolonialzeit. Seid gespannt!

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