Alltag · Erasmus

Weitere Erkenntnisse zur spanischen Kultur und Mentalität

Nun ist mein Erasmus-Jahr vorbei und so langsam sackt alles ein bisschen, der deutsche Alltag hat mich zurück. Da bleiben nur noch die Erinnerungen und das, was ich auch im zweiten Halbjahr noch von den Spaniern lernen durfte (und musste). So will ich meine ersten 13 Buchstaben zur Kultur Spaniens mit den letzten 13 Buchstaben vervollständigen und euch neue Einblicke geben. Meine persönliche Erasmus-Zwischenbilanz ergänzt das natürlich auch, wobei ich dem damaligen Beitrag nicht mehr wirklich etwas hinzuzufügen habe.

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Weiter geht es mit dem Buchstaben

N wie Nachtschwärmer

Der spanische Arbeitstag fängt je nach Job zwischen 8 und 10 Uhr morgens an und kann bis 21 Uhr abends andauern (Kneipen, Bars, Diskotheken und dergleichen ausgenommen, da fängt es natürlich später an und hört auch später auf). Die meisten Spanier gönnen sich daraufhin erstmal eine Tapas und bleiben bis Mitternacht auf den Straßen. Für die Nachtschwärmer beginnt dann erst das Abenteuer: Bis drei Uhr geht es in eine nahegelegene Bar und ab vier lohnt es sich, in eine Diskothek zu gehen. Wenn sich in Deutschland schon alles leert, werden die Spanier erst richtig warm und tanzen noch bis acht Uhr morgens. Na, wenn das kein Leben für Nachtschwärmer ist!

O wie organisiertes Chaos

Nicht mal im Traum würde mir einfallen zu behaupten, dass die Spanier ihre Bürokratie nicht anständig durchorganisiert haben. Ganz im Gegenteil, es ist alles so derart geplant, dass es geradezu kafkaeske Züge annimmt und man sich einfach nur noch durch einen Stapel chaotisch zusammengeworfener Regelungen wühlen muss, wenn man doch eigentlich nichts weiter möchte, als….Ach halt, ja, man möchte was. Das ist wohl schon der Fehler.

P wie Politik

Die aktuellsten Auswüchse der spanischen Politik – nämlich totaler Stillstand – sind selbst in den anderen europäischen Ländern bekannt geworden. Eigentlich ist das aber doch eine Ausnahmeerscheinung. Da geht schon was, in diesem Land. Irgendwas. Ganz bestimmt. Hochpolitisch sind schließlich alle eingestellt. Ich weiß nur nach über einem Jahr immer noch nicht, was eigentlich geht.

Q wie Quantität (vor Qualität)

4 Jahre Bachelor statt 3. Doppelt so viele Klausuren. Dreimal so viel Bürokratie. Bei den Spaniern scheint es alles zu geben. Und vor allem viel davon. An der Qualität habe ich allerdings mehr als nur einmal zweifeln müssen. Aber naja, wie sagt man so schön? Die Menge macht’s!

R wie Renovierungsbedürftig

Ursprünglich dachte ich, dieser Kommentar bezieht sich vor allem auf die andalusischen Städte und Dörfer, allerdings hat mir ein Besuch der Hauptstadt gezeigt, dass auch dort sehr vieles eine Renovierung vertragen könnte. Klar, es sieht bei weitem nicht so schlimm aus, wie im Süden des Landes, aber da ginge schon noch etwas. Ausgenommen von all dem: Die Autobahnen. Die sind nämlich in einem Zustand, von dem deutsche Autofahrer nur noch träumen können.

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S wie Sport

Ich erinnere mich, die Argentinier einst als sportlich bezeichnet zu haben. Dem stehen die Spanier in nichts nach. So viele Menschen, die ich im Fitnessstudio oder auf der Laufstrecke kennengelernt habe, würde ich behaupten, dass sich jeder zweite in Spanien sportlich betätigt. Genauso scheinen sie auch noch die mediterrane Ernährung aufrecht zu erhalten. Das krasse Gegenbild bilden allerdings all jene, bei denen das nicht der Fall ist: Das Essen von frittierten Pommes und Kartoffelchips, Burgern und vor Fett triefenden Garnelen hinterlässt eben auch seine Spuren.

T wie Tapas

Ich habe es sogar mal in einem extra Beitrag erwähnt: Die Tapas gehört zu Spanien wie die Bretzel und das Brötchen zu den Deutschen.

U wie Unselbstständig

Vielleicht ist es Einbildung gewesen. Wenn dem so war, war es die kollektive Einbildung aller Erasmusstudenten, die mit Spaniern zu tun hatten: Mama kocht, Mama wäscht, und Mama sagt, was sich gehört und was nicht. Selbst Studenten, die nicht mehr zuhause wohnen, sind noch derart abhängig von ihren Eltern, dass man sich fragt, wie das überhaupt funktionieren kann. Und wie das jemals besser werden soll. Gegenteiliges konnten mir eigentlich nur diejenigen Spanier beweisen, die selbst schon im Ausland waren.

V wie Vale

Vale! Alles klar? Das wohl meistgehörte Wort im letzten Jahr. Hat einfach eine eigene Erwähnung verdient. Vale?

W wie Wandern

Wandern ist langweilig und blöd. Dachte ich mal. Bis ich nach Spanien kam und mich so in die Natur und die vielen Wandermöglichkeiten verliebt habe, zuerst in den Alpujarras und in Monachil, später auf dem Camino del Rey und dem Rio Chillar, dass ich ernsthaft über den Kauf von Wanderschuhen nachdenke. Ehrlich, dieses Land ist ein Paradies!

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X wie x-mal nachfragen

Ihr habts immer noch nicht verstanden, wie die spanische Kultur aussieht? Fragt ruhig nach. Das musste ich auch ständig. Und jedes Mal bekam ich eine andere Antwort, frei nach dem Motto: Such dir doch selbst raus, was wohl stimmt. Verwirrung und Chaos und in meinem Fall auch das ein oder andere Mal richtig viel Frust waren damit vorprogrammiert. Mein persönlicher Höhepunkt war die miese Auskunft zu den Schlittenfahrmöglichkeiten in der Sierra Nevada. Kein Wunder, dass man sich dann eine spanische Mentalität zulegt: „No pasa nada, ich frag einfach nochmal.“

Y wie Yoghurt

Was wäre ein Spanienbesuch ohne Yoghurteis? Das wohl häufigste verkaufte Eis und eindeutig das, was mir dort auch am besten geschmeckt hat. Warum? Fragt mich was leichteres.

Z wie zurück

Wenn gleich ich für den Moment echt genug Spanien erlebt habe, habe ich doch Lust, zurückzukehren in dieses wunderbare Land: Zum Campen, zum Wandern, zum Erleben der einzigartigen, wunderschönen Natur. Zugegeben, für Städtetrips reizt mich nur noch der mir bis dato unbekannte Norden.

 

Nun ist es mit meinen Berichten zu Spanien fast vorbei. Ein bisschen was habe ich aber noch: Zunächst werde ich euch mitnehmen in die zwei bekanntesten Städte Madrid und Sevilla. Außerdem geht es auf Wanderung im Rio Chillar und in den Naturpark Cabo de Gata. Ich erzähle euch, warum Valencia nicht nur für Paella Liebhaber interessant ist und wieso Fußball auch für Sportmuffel interessant ist. Seid also gespannt!

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