Impressionen · Reisen

In Fort Bravo geht es hoch her

Heute wird es mal ein bisschen actionreicher, denn einer meiner Ausflüge hat mich nach Fort Bravo geführt – fort bravo 2die Filmkulisse für zahlreiche Western. Darunter auch Indiana Jones oder Der Schuh des Manitu. Die kleine Westernstadt befindet sich in der Nähe Almerías, genauer gesagt in der Desierto de Tabernas. Und damit habt ihr auch schon einen der Gründe, warum sich bei Almería Filmfans wirklich wohlfühlen werden und auf ein wahres Mekka stoßen. Ja, genau, hier wurden viele der europäischen Western gedreht. Und auf dem Weg zu Fort Bravo wird auch deutlich warum: Die Landschaft verändert sich enorm. Ragen bei Granada noch die Berge der Sierra Nevada in die Höhe, wird es hier zunehmend flacher. Gleichzeitig bleibt die Landschaft kahl und trocken. Das feuchte Klima des Mittelmeers reicht nicht so weit ins Landesinnere. Kahle Felsen umgeben die Autobahn, die neu und geradezu leer ist.

fort bravo 4Wir hatten uns einen sehr windigen und äußerst bewölkten Tag ausgesucht, um Fort Bravo zu besuchen. Der Weg war gut ausgeschildert und an der entscheidenden Abzweigung von der Landstraße stand schon ein Cowboy bereit, um auf die Einfahrt aufmerksam zu machen. Wir folgten dem Weg und landeten bereits 500m später vor einem großen Hollywood-Schild. Vom Parkplatz aus hatten wir bereits einen Blick auf die Ställe und ein paar vereinzelte Häuser. Die Spannung stieg – und gleichzeitig ein bisschen mein Unbehagen. Das sah alles schon verdammt Verlassen aus. Ob sich der Besuch hier lohnen würde? Der Wind wehte uns um die Ohren, während wir den ersten Platz überquerten und einfach mal unserer Nase folgten. Ein einzelner Cowboy war mit seinem Pferd zu sehen. Weiter entfernt konnten wir eine einzelne Kutsche sehen, auf die gerade ein paar weitere Besucher aufstiegen. Die Kutschfahrt war im Eintrittspreis enthalten. Kaum war die Kutsche verschwunden, erschien das Dorf verlassen.

Wir betraten den Saloon, in dem ein paar junge, kostümierte Damen Drinks an zwei Touristen ausschenkten. Sonst war niemand zu sehen. Eines war klar – heute war kein starker Besucherandrang. Und doch machte sich bei mir allmählich Begeisterung breit. Dass so wenig los war, tat dem Erlebnis keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Fort Bravo wirkt verfallen und verlassen. Die Häuser sind alt und seit Jahren nicht mehr gestrichen worden. Ganz klar, dass es sich hier um eines jener Städtchen handelte, die in den Filmen immer extrem verlassen wirken. Wir drehten unsere Runde, lugten durch schmutzige oder zerschlagene Fensterscheiben und ließen alles auf uns einwirken. Als die Kutsche zurückkehrte, ergriffen wir die Gelegenheit für eine kleine Rundfahrt.

fort bravos salon

Fort Bravo ist unterteilt in drei Teile. Zunächst ist da der klassische Westernteil mit sehr verfallenen Häusern. Dann gibt es noch einen Teil, der eher an mexikanische Western erinnert. Hier befindet sich auch die Bahnschienen, die in Wirklichkeit natürlich im Nichts enden. Außerdem gibt es noch einen Stadtteil, der beim Filmen größer und moderner wirkt. Hier befindet sich auch ein Galgen. In allen drei Teilen befinden sich Saloons und ein Haus für den Sheriff mitsamt Gefängnis. Daneben finden sich in der Stadt auch ein Postamt, mehrere Friseure, Schmiede und vieles mehr. Natürlich war nichts davon geöffnet, denn letzten Endes soll es ja nur den Schein erwecken. Wir befinden uns ja in einer Filmkulisse. Dennoch spielt die Fantasie schon ein bisschen verrückt und man malt sich die leeren, ausgeräumten Häuser automatisch aus. Ganz klar, dass es hier schon so manches mal geknallt hat. Ein bisschen stören zwar die Kabel, die aus Decke und Boden ragen, aber auch die kann man sich wegdenken. Letzten Endes erinnern sie nochmal an das Aufregende hier: All das gibt es in zahlreichen Filmen und Videoclips zu sehen.fort bravoZurück im Saloon gibt es für uns noch eine Westernshow. Die Mädchen von der Bar, inzwischen sind sie zu dritt, tanzen für uns. Allerdings fehlte mir hier ein bisschen die Authentizität und ich war nicht wirklich überzeugt. Aber um die Fantasie anzuregen hatte es bei mir schon gereicht. Danach gab es noch eine kleine Comedy-Show von drei Cowboys. Comedy deshalb, weil es sich dabei ganz klar um Impro-Theater handelte. Schließlich redeten sie auch mit den Touristen über Rabatte im Corte Ingles oder dessen Urlaub (man darf einen Urlauber nämlich nicht einfach erschießen. Er ist schließlich da, um Urlaub zu machen, nicht um erschossen zu werden). So konnten sie auch das versehentliche Verwechseln des angeschossenen Beines schön überspielen und es wurde eine lustige Nummer. Mit Sicherheit nicht filmreich, aber als Erlebnis vollkommen ausreichend.

fort bravo 1Ein bisschen Enttäuschung kam dann aber wirklich noch, denn die erwarteten Tipi-Zelte der Indianer haben wir nicht gefunden. So haben wir uns nur noch ein bisschen die Ställe angeschaut und sind danach weitergezogen. Im Nachhinein bin ich immer noch erstaunt, wie sich hinter den Häusern der Westernstadt ein Swimmingpool und Unterkünfte für Reisende oder im Falle einefort bravo friedhofs Filmdrehs für die Schauspieler verbargen. Da kann man sich plötzlich ein bisschen besser vorstellen, wie die spannende Arbeit von Schauspielern aussieht  – so vollkommen ohne Luxus. Denn die Bungalows wirkten schon ein bisschen sporadisch und in der brütenden Sommerhitze ist der Swimmingpool vermutlich auch keine große Abkühlung mehr. Dieser ist übrigens bei gutem Wetter auch den Touristen geöffnet. Außerdem gibt es noch einen Fotografen, der typische „Wanted“-Fotos für Touristen anbietet, und ein kleiner Laden, in dem man Cowboy- und Indianertrachten kaufen kann. Ein Besuch lohnt sich also durchaus!

Wer mit Kindern unterwegs ist, geht allerdings eventuell besser in das nahegelegene Oasis Minihollywood, ein Themenpark, der mit einem kleinen Streichelzoo und ein paar Vergnügungskarussels eher auf Familien ausgelegt ist. Wir haben es nur von der Ferne gesehen, doch die Stadt schien moderner und belebter.

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