Alltag · Erasmus · Impressionen

Camino del Rey

„Der gefährlichste Wanderweg der Welt!“

„Zwei Stunden Nervenkitzel!“

„Pures Abenteuer!“

Das habe ich über den Caminito del Rey gehört. Irgendwoher musste dieser Wanderweg seinen Namen ja haben. IMG_0882Dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen, als ich an einem frischen Morgen auf dem Weg zum Bahnhof war, wo wir zu dritt ein Auto mieteten und uns auf die zweistündige Fahrt machten. Was dann kam war überraschend. Vorneweg muss man sagen, dass dieser Wanderweg ein Jahr lang gesperrt worden war und eine vollständige Renovierung erfahren hat. Nun wird er betreut und ist nur die ersten 12 Monate nach Wiedereröffnung kostenlos zugängig. Noch weiß niemand, was er zukünftig ab März 2016 kosten wird.

Gehen wir noch ein bisschen weiter zurück in die Geschichte, denn der Caminito war nicht immer nur ein Wanderweg: Der Caminito wurde gebaut, um in diesem unwegsamen Gelände (an Felsen entlang läuft es sich eben schlecht), Baumaterial zu transportieren, mit dessen Hilfe der Fluss Guadalhorce umgeleitet und dessen Wasser für die Bewohner der Region nutzbar gemacht werden sollte. 1901 begannen die Arbeiten an einem Weg mit Planken, die vier Jahre später mit Beton und Eisenarmierungen befestigt wurden. Bis 1921 dauerte es, um den Weg vollständig fertigzustellen. IMG_1010Daraufhin kam König Alfonso XIII und beschritt den schmalen Pfad, womit er dem Caminito auch seinen Namen gab. Nichts also mit der Königsroute der Wanderer, wie man hätte glauben können! Fortan wurde der Weg täglich genutzt: Von Bauarbeitern, die die Schlucht durchqueren wurden, von den Bewohnern der Nachbardörfer, ja sogar von Schulkindern und Frauen mit ihren Einkäufen. Nachts war der Weg ausgeleuchtet von Laternen. Als es 1999 und 2000 zu mehreren Unfällen kam, weil der Weg immer unbegehbarer wurde und langsam zerfiel, wurde er gesperrt. Dennoch gab es immer wieder wagemutige, die sich an dem gespannten Seil von einem Ende zum anderen der Schlucht entlanghangelten. Nicht zuletzt, weil die Schlucht weiterhin auch für Kletterer zugänglichIMG_0907 war. 2014 begannen dann endlich Renovierungsarbeiten, bis er am 28. März 2015 neu eröffnet wurde.

Wir kamen also pünktlich zu unserem Einlass am Caminito an und waren bereits erstaunt, dass eine größere Gruppe älterer Damen und Herren am Eingang warteten. Auf der Homepage wurde noch gewarnt, dass man körperlich fit sein muss und mehrere Hürden überwinden muss und so wie einige der Gruppenmitglieder aussahen, würden sie so etwas nicht schaffen. Irritation war also schon etwas da. Die legte sich aber mit jedem zurückgelegten Meter, kaum dass wir eingelassen worden waren. Auf einem etwa anderthalb Meter breiten Holzpfad wanderten wir gemütlich durch die Schlucht und genossen die Aussicht. Unter den Holzbrettern, immer nur sichtbar, wenn man an Kurven voraus oder zurückschaute, befand sich der alte Weg – schmale, etwa 50cm breite Betonplatten, die teilweise sehr zerbröselt waren. Besteht die Sicherung nun aus einem ordentlichen Geländer, war es vorher ein dünnes Stahlseil, an dem man sich mit Karabinern einhaken konnte. Bedenkt man die Höhe ist wohl klar, worin der Nervenkitzel bestand – und warum er jetzt einfach verschwunden ist. Die Helme waren übrigens eine Vorsichtsmaßnahme, weil man ja nie weiß, was von oben kommt. Und für mich, weil ich gerne mal gegen Felsvorsprünge laufe oder so…(Ihr wisst schon, der Widder in mir!)

Was geblieben ist, ist die wunderbare Aussicht auf eine Schlucht, der Garganta del Chorro, in der sich grünglitzernd der Guadalhorce schlängelt. Entspannende Minuten bei einem gemütlichen Spaziergang und beeindruckende Felsformationen machen den Caminito eine Reise wert. Trotzdem – zusammen mit der Mietgebühr und dem Sprit hätte ich ungern auch noch für den Caminito bezahlt.

//goo.gl/EUDs6o

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Ein Kommentar zu „Camino del Rey

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