Alltag · Erasmus

Willkommen zurück in der Schule?

Ich habe ja versprochen, noch ein paar Worte über die Uni hier zu verlieren. Und ich muss jetzt wohl etwas aufpassen, dass sie nicht allzu negativ ausfallen. Wer studieren in Deutschland gewohnt ist, wird sich mit dem Niveau hier in Granada (man sagt ja, es gälte für ganz Spanien?) nicht sonderlich anfreunden können. Zum Einen ist da der Aufbau des Stundenplans, der so völlig anders ist. Hier habe ich jeden Kurs zweimal die Woche á zwei Stunden. Und mit zwei Stunden meine ich auch zwei Stunden, keine Schulstunden, sondern ganze 60 Minuten. Ohne Pause. Und das Gerücht, dass hier viele später anfangen, kann ich nicht bestätigen. Ab und an wird mal früher aufgehört, aber das ist zumindest bei meinen Kursen auch eher die Ausnahme als die Regel.la foto

Hinzu kommt die Arbeitsintensivität. Zweimal die Woche in der Uni hocken für einen Kurs mag so manchem Deutschen ja schon viel erscheinen, dann aber auch noch jede Woche eine Zusammenfassung schreiben und die nächste Unterrichtseinheit vorbereiten (in meinem Fall die Lektüretexte lesen und Fragen dazu beantworten) summiert sich dann schon zu einer äußerst arbeitsintensiven Woche auf. Und ihr habt gerade das Gefühl, dass euch das bekannt vorkommt? Aber nicht von deutschen Unis? Na, dann vielleicht eher von deutschen Schulen! Denn so in etwa sah auch der Alltag in der Schule aus. Damals. Vor gar nicht allzu langer Zeit. Ich kann mich zwar nur noch dunkel an die idiotischen Hausaufgaben erinnern, die wir damals machen sollten, aber so manches war doch schwieriger als das, was ich hier gerade an der Uni machen muss. Oder sagen wir mal, zumindest musste ich dabei mal nachdenken. Ein bisschen frage ich mich also schon, was hier eigentlich „Studium“ bedeutet. Ich fühle mich doch sehr an der Hand genommen, als ob man mir noch alles zeigen und erklären müsste. Nicht, dass das nur Nachteile hätte.

Im Gegensatz zu meinem Studiengang in Deutschland bekommt man hier immerhin eine wirklich intensive Einführung in die verschiedenen Studien. Das komplette erste StudienJAHR (von vier Jahren insgesamt!) wird eingeführt. Zumindest kann man als Absolvent hinterher behaupten, dass man auch eine Ahnung von dem hat, was man da studiert hat. Mit dem selbst denken ist dann vielleicht noch nicht so viel, aber dafür gibt es ja den Master. Es ist natürlich fragwürdig, was hier eigentlich geforscht wird, wenn die Unterrichtspläne im Bachelor seit zehn Jahren die gleichen sind und keine neuen Inhalte vermittelt werden. Aber nochmal: Wenigstens hat man am Ende auch eine Basis! Und was die Vertiefung von Themen angeht, die einen besonders interessieren: Dafür kann man dann ja in Konstanz studieren!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s