Alltag · Reisen

Studieren in Granada

Bevor ich hier weiter das Bild des faulen Studenten unterstütze und kräftige und ihr noch denkt, ich mache hier nichts weiter als Essen, am Strand liegen und Reisen, will ich doch endlich mal von der Uni erzählen. Da ein solcher Einstieg jetzt abrupt käme vorneweg noch ein paar Infos:

Granada ist die Stadt Spaniens, die die meisten internationalen Studenten aufnimmt. Insgesamt 60 000 Studenten gehen hier täglich ein und aus, 2000 davon kommen aus dem Ausland. Gegründet wurde die Uni bereits 1531 und ist damit deutlich älter als meine Heimuniversität in Konstanz, die erst in den 1960ern erbaut wurde. Damals gab es zunächst nur die Fakultäten der Theologie, der Künste und des Kirchenrechts. Heute gliedert sich die Uni in 17 verschiedene Fakultäten und es werden 72 verschiedene Studiengänge angeboten. Aus meiner Sicht also ein eingeschüchtert gehauchtes „Wow!“ Ja, Konstanz wirkt dagegen mickrig und unbedeutend.

17 Fakultäten lassen sich nicht auf einen Campus bringen und so gibt es den Hauptcampus Cartuja, den zweiten Standort Fuentenueva sowie mehrere weitere Fakultäten, die sich über die gesamte Stadt verteilen. Immer wieder bin ich bei meinen Stadtrundgängen vor einem alt aussehenden und impostant wirkenden Gebäude stehengeblieben, nur um festzustellen, dass es ebenfalls zur Uni gehört. Ja, Granada lebt von der Universität. Fast jeder dritte Einwohner hat in irgendeiner Weise mit ihr zu tun, sei es als Lehrerender oder Student, als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter, als Berater oder Organisator von Studentenevents. Dementsprechend ist Granada auch eine äußerst junge Stadt und durch die vielen Ausländer, die hier jährlich aufs Neue willkommen geheißen werden auch besonders aufgeschlossen. Internationales Klima kenne ich ja schon aus Konstanz, aber ehrlich, hier wird nochmal eins drauf gesetzt (und so wirklich für möglich gehalten hätte ich das nicht!). Allerdings heißt das in keinster Weise, dass die Leute hier Englisch sprechen können. Wir sind ja immer noch in Spanien!

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Haupteingang der Facultad de Filosofía y Letras

Nun also zu meiner Fakultät, der Facultad de Filosofía y Letras. Hier wird studiert: Spanisch, Englisch, Französisch, Geschichte der Kunst, Moderne Literaturen, Vergleichende Literaturen, Anthropologie, Archäologie, Geschichte der Musik, Geschichte, Geografie, Arabisch sowie die klassische Filologie (Griechisch und Latein). Zur Fakultät gehört ein Bistro (etwa halb so groß wie die gesamte Mensa der Uni Konstanz), eine kleine Bibliothek (für meinen Geschmack träfe es das Wort „winzig“ besser) sowie mehr Arbeitsplätze als ich aus Konstanz gewohnt bin. Es gibt einen Kiosk, eine Fotocopiadora (die ausdrucken und kopieren der Unimaterialien ermöglicht), sowie zwei Informatikräume, in denen an PCs gearbeitet werden kann. Außerdem gibt es natürlich noch die Bereiche der einzelnen Departments mit den Büros der Lehrenden, die ich bisher aber nicht weiter erkundet habe. Und natürlich Lehrräume. Oder sollte ich sagen Klassenräume? Denn ganz ehrlich, ein bisschen erinnern diese Säle an Klassenzimmer Anfang des 20. Jahrhunderts. Abgesehen vom Beamer und dem Computer auf dem „Lehrerpult“ scheint hier wirklich die Zeit stehengeblieben zu sein. Aber gut, man muss ja auch nicht alles erneuern, was noch gut ist. Harte, knarzende Stühle vermeiden das Einschlafen der Stutenden und wenig Ablagefläche ist gut, damit man nicht von den herumliegenden Gegenständen abgelenkt werden kann. Immerhin gibt es mehr Licht als in den amerikanischen Klassenzimmern in Sheboygan Falls!

Doch ich will nicht nur meckern. Ja, die Bibliothek ist für meinen Geschmack fast schon zu klein, aber bei einem ersten Durchlaufen habe ich schon gemerkt, dass sie erstaunlich gut ausgestattet ist mit Büchern und die Arbeitsplätze sind natürlich schlicht Luxus. Immerhin gibt es nicht einmal ein paar nervige Jurastudenten in meiner Fakultät, die einfach JEDEN Arbeitsplatz blockieren. Und dann noch so viele Tische? Mei, ich weiß gar nicht, wohin ich mich setzen soll! Klar, es ist nicht alles modern, aber hey, der Marmorboden hat echt Stil! Dazu kommt, dass das Bistro Sandwiches jeder Art anbietet und das zu fairen Preisen. Eigentlich kann ich mich echt nicht beschweren. Die Aussicht über die Stadt ist der Bonus schlechthin. Und ich LIEBE diesen gewaltigen und imposanten Haupteingang, der einem das Gefühl gibt, was Richtiges zu studieren (auch wenns nur ein Gefühl ist…) Hier lässt es sich wirklich verweilen und im Schatten der Bäume entspannen. Aber achja, ich bin ja zum Studieren gekommen…

Neben meiner Fakultät gibt es noch ein paar weitere, die auf dem Campus Cartuja angesiedelt sind. Die hab ich aber (noch) nicht erkundet. Irgendwo gäbe es dann auch noch eine richtige Cafeteria, die ich bisher allerdings ebenfalls noch nicht vermisst und deshalb gesucht habe. Vielleicht kommt das ja dann irgendwann mal noch…

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Bevor dieser Artikel nun ausartet, warte ich mit der Beschreibung meines Stundenplanes lieber mal noch. Dazu gibts dann beim nächsten Mal mehr!

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3 Kommentare zu „Studieren in Granada

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