Film und Fernsehen

Guten Tag, Ramon! (2013)

Zum Abschluss meiner Reihe über Lateinamerika möchte ich euch wieder mitnehmen nach Deutschland. Tausende Menschen emmigrieren aus Lateinamerika, weil sie in den USA oder in Europa bessere Arbeitsbedingungen erhoffen und fest daran glauben, mit dem andernorts verdienten Geld ihre Familie in der Heimat ernähren zu können.

Der Inhalt

Auch Ramón, der nach zwei gescheiterten Grenzübertritten in die USA die Idee in den Kopf gesetzt bekommt, nach Deutschland auszuwandern, wagt die Ausreise. Da er hier kein Visum braucht, nimmt er den langen Flug von Mexiko naguten tag ramonch Deutschland auf sich. Von einem Freund hat er die Adresse einer Tante in Wiesbaden bekommen, die ihm am Anfang weiterhelfen soll. Mit einer genauen Wegbeschreibung, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, macht er sich auf die Reise- und steht am Ende vor einer verschlossenen Tür. Von der Tante weiß niemand mehr etwas. Und Ramón fehlt das Geld für einen Rückflug. Da er niemanden um Hilfe bitten kann, bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf einer Bank im Bahnhofsgebäude zu übernachten. Hungrig macht er sich die nächsten Tage auf und bettelt bei den Menschen um ein paar Münzen. Eine alte Dame schließlich, die Hilfe beim Tragen ihrer Einkäufe benötigt, nimmt ihn bei sich auf und lässt sich von ihm schwere Arbeiten verrichten. Die Nachbarn im Haus sind ebenfalls dankbar, da es überall an kräftigen Händen fehlt und Ramón dringend gebraucht wird. Doch einer von ihnen meldet Ramóns Aufenthalt bei der Polizei und sorgt so für seine Abschiebung.

Der Reiz der Thematik

Gerade in Zeiten von Flüchtlingskrisen und tausenden und abertausenden von Einwanderungsdebatten schlägt dieser Film Wellen. Im Bayrischen Rundfunk habe ich täglich mit anhören können, wie sich Menschen über die mangelnden Sprachkenntnisse von Einwanderern beschwert haben und behauptet haben, dass diese sich gar nicht integrieren wollen. Tatsächlich aber kenne ich keinen Einwanderer, der nicht mindestens versucht unsere Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Zuhause fühlt man sich am Wohlsten, das wissen wir alle, und so versucht sich doch jeder ein eigenes Zuhause zu schaffen. Wenn aber der Türke von nebenan Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat – mit 50 lernt sich eben nicht mehr so leicht! – ist es verständlich, dass er lieber in der eigenen Landessprache kommuniziert, da er sich damit wohlfühlt und sich problemlos ausdrücken kann. Für einen Gang in den Supermarkt werden die Brocken Deutsch schon reichen… Wenn man sich allerdings eine Arbeit suchen muss oder studieren will, ist der Zwang zur deutschen Sprache deutlich größer. Man kommt unweigerlich mit Deutschen in Kontakt und will sich auch hier ausdrücken können. Doch zunächst einmal muss man auch die Chance auf eine Arbeit bekommen. Ramón hat dieses Glück und siehe da – am Ende kann er sich einigermaßen gut verständigen!

Mehrsprachigkeit als Schlüssel

Wie viele Deutsche sprechen eigentlich Englisch? Wie viele Amerikaner bemühen sich um Spanisch? Und wie lernt man am schnellsten Deutsch? Das Sprachenlernen ist nicht jedem gelegen, aber viele müssen es, ohne es zu wollen. Wer in ein fremdes Land kommt, sieht sich nicht selten vor dem Problem, dass er einfach kein Wort versteht. In Guten Tag, Ramón! wurden die Originalsprachen beibehalten und mit Untertiteln unterlegt für jene, die kein Spanisch, Englisch oder Deutsch sprechen. So kann jeder mal die Erfahrung machen, einfach kein Wort zu verstehen. Schließlich wären die meisten Deutschen in Mexiko genauso aufgeschmissen wie es Südamerikaner in Deutschland sind. Ich konnte dadurch viel besser mit Ramón mitfühlen und hatte die Schwere gefühlt, die auf ihm lastete, als er mitten im tiefsten Winter am Wiesbadener Bahnhof strandete. Mit Sicherheit war es ein Geniestreich des Regisseurs, die Sprachbarrieren beizubehalten! Mal ganz davon abgesehen, dass das natürlich Synchronisationen überflüssig macht und damit Geld spart. Bei einer Independent-Produktion wieder dieser unerheblich!

Meine Meinung

Natürlich ist die Geschichte stark vereinfacht und es gibt bei einer Einwanderung in ein fremdes Land noch einige andere Faktoren zu beachten. Dennoch glaube ich, dass die Moral der Geschichte den Kern der Debatten sehr genau trifft: Wer will, der sollte auch die Chance bekommen – und nicht gleich mit Vorurteilen abgestempelt werden. Es braucht nicht immer die ganze komplexe Geschichte, um zum Kern zu gelangen. Ich wünsche mir, dass dieser Film viel mehr Aufmerksamkeit bekommt und in zahlreichen Kinos anläuft, sowohl in Deutschland, als auch den USA oder Spanien. Guten Tag, Ramón! ist bisher eindeutig der beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe und eine absolute Filmempfehlung!

//goo.gl/EUDs6o

//goo.gl/EUDs6o

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s