Literarisches

Oneiros – Markus Heitz

Markus Heitz gilt in Deutschland neben Wolfgang Hohlbein als der Fantasy-Autor schlechthin. Seine Bücher über Orks und Zwerge haben Millionen von Menschen begeistert. In meinem Freundeskreis gibt es viele Fantasyfans, die Heitz preisen und mir gerne von der Genialität seiner Bücher vorschwärmen. Es war also höchste Zeit, endlich etwas von ihm zu lesen.

Meine Wahl ist auf Oneiros getroffen, ein Buch, das laut Autor nicht mehr in einer Fantasy-Welt spielt, sondern in unserer Realität. Wie real diese Welt ist, stellt der Leser spätestens fest, wenn von Todesschläfern die Rede ist, Wesen, die unsterblich sind, aber alles um sich herum in den Tod reißen, sobald sie selbst einschlafen. Ganz Fantasy eben, nur ein anderes Subgenre.Als einen „sprachlichen Terroranschlag“ wurde Oneiros im Literaturcafé betitelt, als „metaliterarischen Ouroboros“ von Phantastik-Couch. Doch was steckt nun eigentlich dahinter?

oneiros

Zum Buch

Protagonist ist Konstantin Korff, ein Bestatter, der irgendwie in gar kein Konzept passen möchte. Er ist weder einer der Geheimagenten, die sich mehr oder weniger die Weltherrschaft aneignen wollen, noch ist er einer der Auftragsmörder aus dem Orient (Ganz recht, Klischees gibt es ohne Ende.) Er ist einfach nur einer, der es irgendwie schafft, sich wieder in etwas hineinziehen zu lassen, was ihn eigentlich gar nichts angeht. Dazu ist er stark überzeichnet als gutaussehend, charmant, sportlich, freundlich, gebildet und mit dem Herz am richtigen Fleck. Ja okay, ich fand ihn beim Lesen super sympathisch – von realistisch ist allerdings nicht die Rede! Korff will die Welt vor einem völlig aus der Kontrolle geratenen Todesschläfer bewahren, aber umbringen kommt für ihn nicht in Frage. Aber ausschalten muss man ihn. Einfach so den Schalter umlegen oder so. Wer weiß. Während er halbherzig die Verfolgung aufnimmt, will er gleichzeitig etwas darüber herausfinden, wie er seinen Fluch als Todesschläfer ablegen kann. Dazu wird es nämlich allerhöchste Eisenbahn, denn schließlich gibt es da eine Dame, die sein Herz erobert hat.

Neben Korff gibt es noch die verrückte Wissenschaftlerin Kristin, die ihrem Sohn ein ewiges Leben ermöglichen möchte, ohne dass er seinen Körper dem Verfall überlassen muss. Stattdessen soll er sich von Zeit zu Zeit neue Körper aussuchen können. Klingt verrückt? Ist es auch.

Oneiros ist überladen mit Klischees vom Helden, der im Alleingang alles mögliche schafft, bis hin zum Bondgirl, das ihm taff zur Seite steht. Dazu kommen ein paar sprachliche Ergüsse, die ich selbst vor allem nachts in Momenten äußerster Müdigkeit und Gedankenlosigkeit zu Papier bringen würde – die aber spätestens bei der Korrektur auffallen sollten. Leider sind sie dem Lektorat von Knaur nicht aufgefallen. Ganz so schlimm, wie es im Literaturcafé beschrieben wird, ist die Lage allerdings nicht. Heitz hat durchaus realistisch die Rede der Flugbegleiterin beschrieben – seid ihr euch nicht auch im Flugzeug des Öfteren dumm vorgekommen, weil es die Flugbegleiter für nötig hielten, die Flugroute zu erläutern? Im Allgemeinen fallen die Passagen, in denen Heitz zu viel vom Erklärbär abgeschaut hat, überhaupt nicht ins Auge. Die meisten davon gehen gerade wegen der spannenden und actiongeladenen Geschichte unter. Man kann Oneiros durchaus mit einem Hollywoodfilm vergleichen: Nicht alles ist so korrekt und nicht immer macht die Handlung wirklich Sinn – meistens hat man aber so viel Spaß beim Lesen, dass das völlig egal ist. Wer zu diesem Buch greift, sucht sowieso nicht Bildung, sondern Unterhaltung. Und für Unterhaltung sorgt Heitz allemal.

Das Fazit

Mein persönliches Highlight sind die Zitate zum Thema Tod, die jedem Kapitel voranstehen und punktgenau die Erwartungen des Lesers auf das Kommende schüren. Allein dafür lohnt es sich eigentlich, das Buch mal aufzuschlagen.

Was kann ich also empfehlen, lesen oder nicht lesen? Letzten Endes ist das eine Frage des Geschmacks: Fantastische Elemente in der realen Welt können reizen und abstoßen, sprachliche Feinheiten werden manch einen vermutlich zum Haare raufen bringen und den meisten anderen gar nicht auffallen. Am besten lest ihr einfach die ersten zwei Seiten vor dem Kauf des Buches und dann wisst ihr Bescheid!

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