In der Kunst

Der Hafen von Assuan

Francis Frith
Assuan, 1858; Fotograf: Francis Frith

Die Fotografie fand ihre Anfänge im Jahr 1839 mit den Herren Daguerre und Talbot. Bereits zwanzig Jahre später hatte sich Francis Frith eingehend mit dem neuen Werkzeug beschäftigt und nahm seine Kamera mit auf Reisen durch Ägypten und Palästina.Mit diesem Foto gelang ihm jedoch noch ein bisschen mehr als nur eine Dokumentation seiner Reise. Es erinnert sehr an die Bilder von Caspar David Friedrich, allen voran an den „Wanderer über dem Nebelmeer“, das dieser etwa um 1817 anfertigte. Gleichzeitig zeigt die Fotografie die Sehnsucht der Menschen nach dem Orient, die Faszination für das Fremde und den Wunsch, all dies mit nach Hause tragen zu können.

Zu Fotografieren hat für viele Menschen die unterschiedlichsten Bedeutungen; die meisten jedoch wollen dadurch Erinnerungen an ein schönes Erlebnis festhalten für sich selbst und ihre Lieben. Neben den Fotografien von Einheimischen, von berühmten Gebäuden und dem ein oder anderen lustigen oder schönen Erlebnis gehören aber auch die beeindruckenden Ausblicke mit zu den Erinnerungen, die wir gerne in Form von Fotoabzügen der Familie präsentieren wollen.“Da bin ich gewesen, seht ihr? An diesem riesigen Hafen.“

Ob dieses Foto aus einer Sentimentalität Friths entstand, der gerne an seine Ägypten- und Palästinareise zurückdenken wollte, oder aus purer Berechnung weiß ich nicht. Berechnung allerdings war es, als er beschloss, dieses Bild Reisenden zum Kauf anzubieten. Ein kluger Schachzug, wenn man bedenkt, dass es genau diese Taktik war, die den Fotografen zu dieser Zeit den Unterhalt sicherte.

Doch auch heute noch übt dieses Foto – zumindest auf mich – eine Verzauberung aus. Wie schön ist es doch, nach einem beschwerlichen Aufstieg auf einen Hügel eine Aussicht über die gesamte Ebene und das Meer zu haben? Wie schön ist es, so einen großen Hafen zu betrachten und sich zu überlegen, wohin einen all diese Schiffe tragen können. In ferne Länder, Kulturen, die man sonst nur von Reiseberichten kennt, Orte, die mit ihrer Schönheit jegliche Vorstellungskraft übertreffen.Wie leicht wäre es, einfach ein Schiff zu chartern und einfach loszusegeln!

Und vielleicht ist diese Fotografie auch einfach die beste Verbildlichung des portugiesischen Wortes Saudade.

Doch ganz egal, was sich auch hinter diesem Bild verbirgt, ähnlich wie die Malereien von Caspar David Friedrich regt es zum Träumen an, zum Schweifenlassen der Gedanken, zum Schwelgen. Und vielleicht war das auch alles, was der Fotograf als Erinnerung in seiner Fotografie festhalten wollte: Seine eigenen überschäumenden Gefühle beim Anblick vom Hafen von Assuan.

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2 Kommentare zu „Der Hafen von Assuan

  1. Das Foto erinnert wirklich sehr an Caspar David Friedrich – und hat damit irgendwie den Hauch von etwas Bekanntem in der Fremde. Dieser Bruch – der irgendwie auch wieder keiner ist: Macht es sehr spannend. Fast wie eine Brücke.

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Ja, es hat mich auch gleich begeistert. Ich konnte die Verbindung zu Friedrich erst nicht herstellen, es kam mir nur so seltsam bekannt und doch fremd vor. Aber irgendwann hat es dann klick gemacht und seitdem kann ich keines der Bilder mehr ansehen ohne an das andere zu denken.

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