Erasmus

Excusez moi, hablas english?

Jeder Ratgeber zum Erlernen einer neuen Sprache wird es einem verraten: Am besten lernt man die Sprache vor Ort, indem man mit Einheimischen spricht. Aber manchmal ist das leichter gesagt, als getan. Besonders, wenn da noch eine andere Sprache mit ganz ähnlicher Grammatik ist, die man auch nur semigut beherrscht.So kam es auch zu folgender Situation, in der der ich als arme Sprachschülerin in der mir fremden Stadt unterwegs war und mir nach dem Spanischunterricht ein bisschen die Sehenswürdigkeiten anschauen wollte.Ich saß in einem der Touristbusse, die ich eigentlich verabscheue, mir an diesem Tag aber als Rettung für meine geschundenen Füße gerade rechtkamen, und lauschte eher unfreiwillig der Unterhaltung eines französischen Ehepaares hinter mir. Es ging um die Sehenswürdigkeiten, die wir mit dem Bus passierten. Irgendwann tippte mir jemand von hinten auf die Schulter. „Excusez-moi, ce est le stade ici?“ (Entschuldigen Sie, ist das hier das Stadion?) „Si“, antwortete ich selbstbewusst, um im nächsten Moment das Gefühl zu haben, rot anzulaufen. „Ich meine, oui.“ Mein erneuter Fehler ließ mein Gesicht unangenehm heiß glühen und ich will gar nicht wissen, wie rot ich tatsächlich in diesem Moment war. Es ist mir vermutlich anzusehen gewesen, wie sehr ich einen Schlund, der sich unter mir auftat, in diesem Moment begrüßen würde, um von ihm verschlungen zu werden. Aber dem war natürlich nicht so und der Franzose lachte nur amüsiert. „Ah, hablas español?“, wechselt er sogleich die Sprache, um sich anzupassen. Doch ich, verwirrt wie ich inzwischen war, antwortete stattdessen auf französisch: „Un petit peu. Est-ce que vous hablas english?“, versucht ich schließlich mit einem weiteren Satz die die Situation zu retten. Mit mäßigem Erfolg.

french tourist
„Where are you from?“, fragte deshalb die Französin. Vielleicht hatte sie gespürt , dass es mir gar nicht mehr gut ging, so sehr hatte ich mich in den beiden romanischen Sprachen verfangen.
„Germany“, brachte ich vorsichtig hervor und suchte sogleich in diesem einzelnen Wort nach einem weiteren Sprachfehler.
„Ach, wunderbar, so ein schönes Land“, strahlt der Franzose in leicht akzentuiertem Deutsch. Seine Frau nickt bestätigend und lächelt ermunternd.
Und was kurz zuvor noch die wohl peinlichste Begegnung des Tages war, entwickelt sich zu einem angeregten Gespräch über verschiedene Länder, die einen Besuch wert sind und die Schwierigkeiten, die jeweiligen Landessprachen zu erlernen – geführt in vier verschiedenen Sprachen.

Einfach in ein fremdes Land gehen nutzt halt nicht, wenn man nur auf Touristen trifft. Aber lustig werden kann es allemal.

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Ein Kommentar zu „Excusez moi, hablas english?

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