Film und Fernsehen

The Imitation Game (Film)

Alan Turing
Alan Turing, 1951

Benedict Cumberbatch ist für mich ja inzwischen Grund genug, einen Film zu schauen. Längst schon habe ich Respekt vor seinem schauspielerischen Talent und seiner unglaublichen Wandlungsfähigkeit. Gepaart mit Keira Knightley und einer Geschichte über einen genialen Mathematiker namens Alan Turing, der die Enigma knackt – einer Maschine, die mich schon fasziniert, seit ich das erste Mal von ihr gehört habe – kann ein Film so überhaupt noch etwas anderes als gut sein? Und wenn er bereits für so viele Schlagzeilen sorgt, muss er dann nicht sogar phänomenal gut sein?
Meine Erwartungen an The Imitation Game waren gewaltig.

Geradezu begeistert war ich, als Cumberbatch in der ersten Einstellung auftauchte und bei einem Verhör als Alan Turing seine Geschichte zu erzählen begann.
„Are you paying attention?“, fragt er sein Gegenüber und spricht zeitgleich die Zuschauer an. Ja, das tun wir!
Alan Turing ist ein begnadeter Mathematiker und liebt es, Probleme zu lösen. Zusammen mit einer Gruppe der besten Mathematiker Großbritanniens erhält er während dem 2. Weltkrieg die Aufgabe, die Enigma, den Verschlüsselungscomputer der Deutschen, zu knacken. Die Zusammenarbeit fällt ihm schwer, seine Homosexualität und seine exzentrische Haltung stehen ihm im Weg. Erst mit Hilfe der jungen Joan Clarke gelingt ihm das Unmögliche und gemeinsam konstruiert die Gruppe einen Supercomputer, der die von der Enigma verschlüsselten Texte knacken kann. Doch Alan Turing wird sein Verdienst nicht anerkannt. Stattdessen wird er beschuldigt sowjetischer Geheimagent zu sein und seine einzige Chance, sich zu verteidigen, ist es, seine Homosexualität bekannt zu machen, die zur damaligen Zeit als schweres Verbrechen angesehen wird.

The Imitation Game ist für ganze acht Oscars nominiert. Damit dürfte schon einigermaßen klar sein, was man von diesem Film halten kann. Aber kein Oscar kann erklären, wie sehr es begeistern kann, im Kinosessel zu versinken und auf die Leinwand zu starren und es nicht einmal zu wagen, auf Toilette zu gehen, obwohl man eigentlich ganz dringend mal müsste. Keine Sekunde möchte man verpassen: weder von Cumberbatch, wie er einen zitternden Turing spielt, der nach Hormonbehandlung kaum aufrecht stehen kann, aber unbedingt den Nachbau seines Supercomputers vollenden möchte, noch eine Keira Knightley, der Turings Homosexualität gleichgültig ist, die aber völlig entsetzt über seine Aussage ist, dass sie ihm völlig egal wäre und er sie nur für sein Projekt gebraucht hätte.

Die Aufarbeitung dieser historischen Geschichte ist nicht unbedingt ein Meisterwerk. Längst schon ist die Idee, dass ein Angeklagter seine Geschichte mit vielen Rückblenden in unterschiedliche Zeiten erzählt, Alltag geworden und aus dem Genre des Historienfilms nicht mehr wegzudenken. Und auch hier wurde natürlich ein bisschen hinzugedichtet zu den historischen Tatsachen – wenn auch in weit weniger großem Umfang als wir es von anderen Historiendramen gewöhnt sind. Auch die Kostüme wirken nicht unbedingt überzeugend für eine Zeit mitten im Krieg, in der sich die Menschen wohl kaum nagelneue Kleidung haben leisten können. Viel zu neu und sauber sind sie. Das alles wird aber überlagert von den grandiosen Schauspielern, von einer wirklich bewegenden Geschichte und einer absolut überzeugenden filmischen Leistung. Die Nominierung für den Oscar „Bester Film“ ist absolut gerechtfertigt.

Müsste ich Punkte vergeben, von mir gäbe es seit sehr langem mal wieder volle Punktzahl für einen Film. Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern auch noch bei Weitem übertroffen!

Anmerkung: Der Titel wird im englischen Original von Alan Turing erklärt. Im Deutschen wurde er für den Film übernommen, aber da ich mir nicht sicher bin, ob er auch erklärt wird und es mir eigentlich nicht vorstellen kann, würde ich allen die englische Originalversion empfehlen!

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