Film und Fernsehen · Literarisches

Der große Trip

Manchmal ist es schon eine Geschichte für sich, wie man ein Buch entdeckt. Beispielsweise habe weder von Der große Trip (OV: Wild) noch von Cheryl Strayed je gehört, bis ich den Filmtrailer gesehen habe. Am Ende des Trailers wurde das Buchcover der deutschen Ausgabe gezeigt und obwohl ich beim Zuschauen nicht ganz so aufmerksam war, blieb mir doch das Cover im Kopf. Also schnell mal auf Amazon nachgeschaut und, im Einkaufswagen lagen ja eh noch Bücher für die Uni, einfach mal einen Spontankauf getätigt.Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich von 1Q84 so furchtbar genervt war, aber aus irgendeinem Grund musste ich dieses Buch einfach sofort haben.

Kaum war das Paket da – ich musste es von der Paketstation abholen – habe ich es nicht einmal ausgehalten, bis ich zuhause war, sondern gleich angefangen zu lesen. Und beinahe vergessen, heimzufahren.

Cheryl Strayed erzählt ihre eigene Geschichte. 1995 hat sie sich auf den Pacific der große tripCrest Trail gewagt, nachdem ihr eigenes Leben nach und nach den Bach runterging und sie einfach keine Kontrolle mehr bekam. Sie musste einfach den Tod ihrer Mutter verarbeiten, ihre vielen Affären danach, den Heroinkonsum und die aus allem folgende Trennung von ihrem Ehemann. Kaum mit dem College fertig (ohne richtigen Abschluss) und ohne die geringste Ahnung vom Wandern wagt sie es, diesen Wanderweg von Kalifornien bis nach Oregon abzulaufen.

Das Buch ist unterteilt in fünf Teile und erzählt nach und nach die wichtigsten Lebensereignisse von Strayed. Ich habe bisher nicht viele Autobiografien gelesen, aber in diesem Fall war ich wirklich sehr beeindruckt, wie ehrlich und offen Strayed über all ihre Erlebnisse geschrieben hat. Bisweilen habe ich wirklich überlegen müssen, ob all ihre Erlebnisse nicht einfach zu gut waren, um wahr zu sein, weil ich so von Lachen geschüttelt wurde oder ungläubig den Kopf schütteln musste. Strayed schreibt mit solch kraftvollen Worten und einem Selbstbewusstsein, dass man nach dem Lesen des Buches nicht umhin kommt, sich über ihre Stärke zu wundern. Man fühlt sich fast etwas berauscht, als hätte man eine gute Droge genommen.

Nach dem Lesen des Buches bin ich sogar an die englische Filmversion gekommen und konnte mir ein Bild von der Umsetzung dessen machen. Mein Fazit war, dass auch dieser Film durchaus ganz gelungen ist, aber die Power fehlt, die in den Erzählungen Cheryls steckt. Auch kam ich nicht umhin zu bemerken, dass Filmmusik einfach viel ausmacht und sie mir in diesem Fall einfach gefehlt hat. Zudem hat der Regisseur viele Anspielungen eingebracht, die man nur versteht, wenn man die Geschichte um Cheryl Strayed schon kennt. Da der Film also nicht für sich alleine stehen kann, würde ich ihn nur Kennern des Buches empfehlen, die gerne noch einmal etwas von dieser wundersamen Reise durch die Wildnis haben möchten. So süchtig wie das Buch macht der Film aber nicht.

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