Erasmus

Die Sache mit dem Gender

Die Diskussion im Raum erreicht einen Höhepunkt und allmählich verlieren alle ein wenig den Überblick. Plötzlich unterbricht die Dozentin: „Haben Sie eigentlich schon etwas von gendergerechter Sprache gehört? Das scheint hier ein Fremdwort zu sein.“ Verwirrt blicken sich einige um, ob das nun ein Scherz sei. Keiner wagt es zu antworten.

 Vor drei Jahren noch war das Wort „gender“ den meisten ein Fremdwort. Sie sind frohen Mutes von der Schule gekommen, waren froh, wenn sie einen Brief in passablem Deutsch und mit der gelernten höflichen Anrede schreiben konnten und haben sich keine Gedanken gemacht, ob die Professorin nun eine andere Anrede brauch als der Professor. Notfalls hat man eben ein „-in“ angefügt und gut wars. Und heute? Heute regt sich alle Welt darüber auf, dass das alles doch rassistisch und diskrimierend sei und schleunigst geändert werden müsse.Gender
Was dabei herauskommt sind Lösungen wir Profx und Studentx, nur um den vielen möglichen Geschlechtern gerecht zu werden. Songtexte wie Cros „Einmal um die Welt“ gelten als sexistisch, homophobisch, diskriminierend und rassistisch. Und Studenten bekommen Punktabzug in Klausuren, wenn sie nicht gendergerecht schreiben. Aber mal ehrlich, wer blickt denn bei hundert verschiedenen Geschlechtern noch durch? Ich möchte in keinster Weise die Gender Studies an sich kritisieren. Vieles, was dort geleistet wird, ist hervorragend und es ist gut, dass so Aufmerksamkeit auf Themen geleget wird, die schon zu lange unterdrückt worden sind. Wie das aber so ist, gibt es immer ein paar, die sich in etwas hineinsteigern und nicht immer kommt dabei nur Gutes heraus.
Dass man vor fünfhundert Jahren nicht so genau auf das Geschlecht geschaut hat und lieber nur zwischen Frau und Mann unterschieden hat, dürfte allen einigermaßen einleuchten. Historisch betrachtet gab es dafür allen Grund: Kein Regent wollte, dass man seine Herrschaft anzweifelt und deshalb wurde alles daran gesetzt, genau dieses auch zu vermeiden. Dass man deshalb wohl so manche Ungerechtigkeit begangen hat, erklärt sich von selbst und ist heute ein offenes Geheimnis.

Bevor man deswegen die komplette Sprache ändert, könnte man sich aber auch daran erinnern, dass sich die Sprache auch einfach auf das biologische Geschlecht beziehen kann. Und das entscheidet nun mal nicht über die sexuellen Vorlieben. Wenn ich über einen Mann berichte, der mir auf der Straße begegnet ist und mich nach dem Weg gefragt hat, sehe ich doch auch nicht, ob er nun schwul ist, eine Geschlechtsumwandlung hinter sich hat oder heterosexuell ist. Was ich sehe, ist, dass er nach all den Kriterien, die ich gelernt habe, anscheinend ein Angehöriger des biologischen Geschlechts ‚Mann‘ ist. Und wenn er sich damit nicht wohlfühlt und lieber als Frau angesprochen werden möchte, darf er das einfach sagen. Kann das nicht ausreichen?

Ich höre schon die vielen Schreie: „Nein, das geht doch nicht!“

Na gut. Ich hätte noch einen anderen Vorschlag: Warum besinnen wir uns nicht auf das Neutrum, dass es ja auch noch in unserer Sprache gibt. Anstatt hundert verschiedenen Bezeichnungen benennen wir dadurch einfach alle Menschen unabhängig ihres Geschlechts gleich. Sprechen wir alle gleich an! Vergessen wir optische Unterschiede! Machen wir es uns schwerer, wenn uns jemand nach einer bestimmten Person fragt, die wir beschreiben sollen. Schließlich sollten wir uns auch von anderen geschlechtsspezifischen Beschreibungen distanzieren. Wer sagt denn, dass nur Männer einen Bart tragen und Frauen Brüste haben? Geben wir unseren Kindern nur noch geschlechtsunspezifische Namen wie Uli oder Kim. Das wäre doch die Lösung! Bescheuerter als hundert verschiedene Bezeichnungen, die Otto Normalverbraucher nicht einmal verstehen geschweige denn auseinanderhalten kann, ist das mit Sicherheit auch nicht.

„Hey, ich suche Kim. Wo finde ich es denn?“
„Kim? Es ist dort hinten, mit den schwarzen Haaren und dem Bart.“
„Es, das einen grauen Pulli trägt?“
„Oh, alle tragen einen grauen Pulli. Schau mal nach dem Bierbauch.“
„Du meinst es mit den roten Hosen und den Turnschuhen?“
„Nein, es ist schwanger gewesen, das ist kein Bierbauch. Ich meine es daneben mit den Tennisschuhen und der cremefarbenen Hose.“

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