Literarisches

Die Kunst des Feldspiels

Eigentlich war dieses Buch ein Frustkauf zwischen zwei Seminaren und ich habe mir nicht allzu viel davon erhofft. Ein bisschen neugierig war ich aufgrund der postiven Kritiken von ausgewählten Zeitungen, aber da ich sonst noch nicht von der Kunst des Feldspiels gehört hatte, wusste ich nicht, wie viel ich darauf setzen konnte, dass dieses Buch mich wirklich begeistern würde.

Henry Skrimshander ist noch ein unbedarfter Highschool-Absolvent, der sich seine Zukunft nicht wirklich vorstellen kann. Er macht nichts lieber, als Baseball spielen, aber sein Vater sieht darin keine beruflichen Chancen für seinen Sohn. Als Henry unerwartet nach seinem letzten Baseballspiel an der Schule auf Mike Schwartz trifft, ändert dies alles. Mike verschafft Henry ein Stipendium am Westish College am Michigan See und trainiert ihn für die dortige Baseballmannschaft. Von seinen Mannschaftskollegen nur noch Skrimmer genannt wird Henry schnell beknnt als der Junge, der es schafft, auch die schwierigsten Bälle aus der Luft zu fischen und jeden Wurf zu seinen Kameraden perfekt ausführt. Sogar der Spitzensport wird auf den Jungen aufmerksam und lockt ihn mit einer großen Karriere – bis ihm ein Fehler passiert, der ihn zweifeln lässt. In der Folge kämpft Henry mit sich selbst, unfähig sich von seiner eigenen Unsicherheit zu befreien.

Buchcover; Quelle: dumont-buchverlag.de

Die Kunst des Feldspiels (The Art of Fielding), 2011 im Original und 2012 in der deutschen Übersetzung erschienen,  ist ein großer Roman über den Sport, ohne dabei nur über den Sport zu sprechen. Henrys Versagen im Baseball lässt sich als eine Metapher lesen für das Scheitern im Leben. Harbach liefert kein Erfolgsrezept, wie Henry wieder zu neuer Stärke finden kann, denn genau ein solches Rezept gibt es nicht. Ein bisschen klingt die Floskel der Nervenstärke an, doch schnell wird klar, dass es nicht allein darum geht: Henrys Fehler setzt eine Reihe von Ereignissen in Gang, die viele weitere Bewohner des Colleges betreffen und die unterschiedlichsten Thematiken aufwerfen: President Affenlight erkennt seine eigene Homosexualität, seine Tochter muss nach einer gescheiterten Ehe mit gerademal 23 Jahren einen Neuanfang wagen und Mike Schwartz muss erkennen, dass seine Zukunftspläne nicht aufgehen. Die Lektüre vermittelt dem Leser das Leben mehr ist, als in einem Spiel zu scheitern: Es heißt wieder aufstehen, wenn alles unmöglich scheint, sich einen Weg durch das Dickicht von Problemen suchen, bis wieder Licht den Horizont erhellt.

Immer wieder geht es auch um Literatur selbst: Herman Melville, Emily Dickinson, Walt Whitman und Marc Aurel werden zu steten Begleitern der Romanfiguren Harbachs und geben dem Roman eine Tiefe, die ohne die Intertextualität nicht erreicht werden kann. Manch einem mag es zu viel werden, für meinen persönlichen Geschmack hätte es durchaus sogar noch mehr davon geben können.

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Immer wieder habe ich mich an abrupten Perspektivwechseln gestört, die das Lesen erschwert haben. Harbach hat sich für einen personellen Erzähler entschieden, der somit nicht in die Köpfe aller Beteiligten schauen konnte. Seltsamerweise hat er immer mal wieder in den einen Kopf, dann wieder in einen anderen Kopf geschaut. Da diese Wechsel ohne Vorwarnung vonstatten gingen, teils mitten in einem Absatz, hat das mein Lesevergnügen öfters mal getrübt. Kaum wusste ich aber von dieser Eigenheit, konnte ich mich darauf vorbereiten und wunderte mich nicht mehr über die Verschiebungen der Perspektive.

Sieht man einmal von diesen Kleinigkeiten ab, ist Die Kunst des Feldspiels ein wortgewaltiger Roman, unglaublich angenehm zu lesen und stets für eine Überraschung gut. Chad Harbach ist damit ein wirklich großartiger Debütroman gelungen. Er gibt dem Leser Hoffnung und macht Mut, nach vorne zu blicken, ohne dabei abgestumpfte Weisheiten zu verbreiten. Alles in allem, macht es einfach Spaß, diese Geschichte zu lesen. Einfach empfehlenswert!

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Ein Kommentar zu „Die Kunst des Feldspiels

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