Film und Fernsehen

Exit Marrakech (Film)

Benjamin Hoffmann bekommt vom Internatsleiter noch den gutgemeinten Auftrag, in seinem Urlaub in Marrakesch etwas zu erleben, bevor er in die Ferien entlassen wird. In der marrokanischen Stadt besucht Ben seinen Vater, der als erfolgreicher Regisseur gerade am dortigen Theater arbeitet. Doch während sein Vater von dem Luxus, der ihn umgibt, vollkommen angetan ist und nichts mit den Einwohnern mehr zu tun haben möchte, langweilt sich Ben und reißt aus, um die Stadt zu erkundigen. Er lernt ein Mädchen kennen, dass er in dessen Heimatdorf begleitet, ohne sich der Folgen seines Handelns bewusst zu sein.

Was als typischer Jugendfilm beginnt, ändert sich schnell in eine kritische Auseinandersetzung mit dem Jungsein und dem Altwerden. Heißt Jung sein, dass man die Welt erkunden möchte? Das man noch Ideale hat und den Menschen helfen möchte, während die Alten allmählich gleichgültig werden und sich in ihr eigenes Haus zurückziehen, weil sie „genug von der Welt dort draußen gesehen“ haben? Heißt es gleichzeitig, dass die Jugend verwöhnt ist und sich alles herausnimmt, während die Erwachsenen einen auf Beschützer machen und doch nicht wirklich sehen, wen sie da in ihrer Obhut haben?

Man könnte Ben als einen eingebildeten Schnösel bezeichnen, der nicht über die Folgen seines Handelns nachdenkt und einfach tut, was ihm gerade in den Kopf kommt. Der nur schwarz und weiß sieht, aber die nicht die Graustufen dazwischen. Und der deshalb seinen Vater anklagt, ohne dessen Geschichte anzuhören. Man könnte auch seinen Vater als ignoranten, karrieregeilen Idioten auffassen, der sich nicht mehr für seine Umwelt interessiert, sondern lediglich sein schön errichtetes Kartenhaus wahrnimmt, in dem er allen Luxus genießt.

Man könnte in den beiden aber auch die Klischees lesen, die sich Jugend und Alter gerne gegenseitig an den Kopf werfen. Vielleicht erklärt das auch, warum beide in gewissem Maße sympathisch sind und dann wieder nicht. Wie Menschen eben…

Was sich als höchst interessante Auseinandersetzung zwischen zwei Generationen entpuppt, endet jedoch in einem langweiligen und nicht überzeugenden Happy End. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob das Leben wirklich so einfach ist – und wer schon länger anhaltende Konflikte ausgetragen hat, weiß, dass dies nicht so ist.

Exit Marrakech ist ein sehenswerter Film. Schon allein wegen der wunderschönen Aufnahmen Marokkos würde ich diesen Film jedem empfehlen. Es sind aber auch die Ideen, die dieser Film transportiert und die vor viele Fragen stellen. Allerdings hoffe ich, dass sich niemand mit dem viel zu flachen Ende abfinden wird, denn was zwischenzeitlich wirklich herausragend war, ging am Ende einfach den Bach hinunter. Aber macht euch am besten selbst ein Bild davon!

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