Film und Fernsehen

Affären à la carte (Film)

Dieser Film, erschienen 2009, ist etwas für Fans von Dany Boon, dem Regisseur von Willkommen bei den Sch’tis, aber auch für viele andere! Die ersten Minuten Film habe ich gespannt und erwartungsvoll vor dem Bildschirm gesessen, bis der erste Lacher kam. Langsam, dann aber unaufhaltsam. Affären à la carte ist mit Sicherheit nicht die Komödie schlechthin, mitnichten so gut wie der Vorgänger über die Sch’tis. Davon abgesehen ist es aber eine nette Komödie für den Abend abseits vom romantischen Liebeschaos wie man es von den Hollywoodkomödien kennt. Natürlich, die Beschreibung „Gesellschaftskomödie“ lässt auch auf anderes schließen, aber mal ehrlich, seit wann trifft man mit derartigem Schubladendenken denn den Nagel auf den Kopf?

Nun, mit dieser Komödie wurde es geschafft: Die erfolgreiche Scheidungsanwältin und ihr arbeitsloser Ehemann Piotr laden zum Fest der Musik Freunde und solche, die es werden sollen, zu einem gemütlichen Abendessen ein. Mit von der Partie: Staranwalt Lucas, der ML für seine neue Kanzlei werben will, sowie seine Frau Sarah, die wegen einem Streit mit ihrem Mann erst nicht mitkommen wollte, dann aber doch auftaucht. Piotr stellt fest, dass er Sarah von seiner Collegezeit bereits kennt. Außerdem Juliette, MLs Schwester, sowie ihr älterer Freund Erwann, der sich als ihr Ehemann herausstellt. Der Onkologe Alain und seine Frau, die Gynäkologin Melanie, sowie die Flamencolehrerin Manuela und der Architekt Jean-Louis. Irgendwie haben sie alle auf unterschiedliche Weise zueinandergefunden und sitzen an diesem Abend an einem Tisch. Alles dreht sich um die Gespräche, die an diesem Abend geführt werden. Der Zuschauer, der die Charaktere bereits vorher begleiten durfte und deren jeweilige Einstellungen zu dem Abend kennt, kann sich köstlich amüsieren. Spätestens als Papa Henri plötzlich auftaucht und, da Juliette nicht mit ihm reden möchte, von ML in ein anderes Zimmer verfrachtet wird, ist das Chaos perfekt. Man fühlt sich fast wie zuhause bei all dem Durcheinander und all den Streitereien, den Träumereien und den gehaltlosen Reden, die von einzelnen geschwungen werden. Ganz so, wie man sich eine Zusammenkunft mit Freunden oder Familie vorstellt. Ein bisschen Liebe gibt es aber dennoch: Sarah beginnt eine Affäre mit Piotr, Jean-Louis kämpft um seine Liebe ML und Melanie sieht keine Zukunft in ihrer eigenen Beziehung. Irgendwie scheint alles im Aufbruch zu sein.

Ein Jahr später wollen ML und Piotr erneut zum Abendessen einladen. Manuela, die ihren Traum eines eigenen Restaurants verwirklicht, kann nicht kommen. Lucas lässt sich von seiner Frau scheiden, einvernehmlich, da er nicht möchte, dass ML etwas von Sarahs Affäre mit Piotr erfährt. Und Jean-Louis, der Piotr einen Job gegeben hat, verliebt sich in Manuela. Selbst bei Melanie hat sich einiges geändert: Seit einem Unfall sitzt sie im Rollstuhl, doch ihre Liebe zu Alain ist neu erwacht und sie fühlt sich so gut wie nie zuvor.

Irgendwie gibt es also doch das Liebeschaos, wie man es aus einer Liebeskomödie gewohnt ist. Affären à la carte ist allerdings mehr als das. Der Film zeigt auf, wie viel sich in kurzer Zeit verändern kann und wie wenig davon vorhersehbar ist. Er zeigt auf, wie wir alle miteinander verbunden sind und auf die Leben unserer Mitmenschen Einfluss nehmen. Vielleicht mag er nicht unbedingt durch Spannung glänzen. Letzten Endes erinnert er immer wieder an ein Kammerspiel, da sich die meiste Zeit alles in MLs und Piotrs Esszimmer zuträgt. Nur wenige Szenen sind außerhalb der Wohnung gedreht worden und so entsteht auch der Eindruck, dass alles nur ein kleiner Ausschnitt aus etwas viel größerem ist. Und so ist es eben auch: Der Film gibt einen Einblick in das Leben, nur einen kurzen Augenblick, nur einen kleinen Ausschnitt. Denn mehr können wir gar nicht aufnehmen. Das Leben ist viel zu kurz, um alles zu durchschauen. Ein bisschen was geht aber. Und genau das hat der Drehbuchautor auf Papier gebracht und der Regisseur umgesetzt.

Innerhalb dem Genre der Französischen Komödie gibt es sicherlich unterhaltsamere Komödien, die einen weitaus mehr zum Lachen bringen. Für Affären á la carte gibt es von mir dennoch beide Daumen nach oben und eine absolute Empfehlung, da es ein Film ist, von dem man durchaus noch etwas fürs Leben lernen kann.

 

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