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Wozu Bilder?

Wer kennt das nicht? Man ist im Urlaub oder auf einer Party und knipst, knipst und knipst immer mehr… Und ehe man sich versieht, ist die Speicherkarte voll. Zuhause auf dem Computer werden alle Bilder nochmal in aller Ruhe betrachtet, eventuell die misslungenen Werke aussortiert und dann wird der Ordner geschlossen. Der ambitionierte Fotograf wird vielleicht noch einige der Bilder ordentlich bearbeiten, aber dann ist es auch erledigt. Meist dauert es dann Monate oder gar Jahre, bis die Bilder noch einmal aus der Schublade geholt und angeschaut werden, oftmals auch nur ein Bruchteil dessen, da einen nach ein paar Bildern mit ähnlichen Motiven schon wieder die Lust verlässt.

Wozu also fotografieren? Warum haben wir den Drang, alles und zwar wirklich alles zu dokumentieren? Für manche mag die Antwort schon in der Frage stecken: Eben, damit alles dokumentiert wird. Dann wird gerne auch die Qualität zurückgestellt, Fotos können mit jeder beliebigen Kamera gemacht werden. Und am besten so viele wie möglich, damit die lieben Verwandten und Freunde zuhause nichts verpassen.

Für andere ist die Frage schwieriger zu beantworten. Wer auf der Suche nach schönen Bildern ist, steht vor der Herausforderung, den Auslöser im richtigen Moment zu betätigen. Da wundert es nicht, wenn man hinterher nur einen kleinen Prozentsatz wertvoller Fotos hat. Die Mühe lohnt sich dann, wenn man ein Publikum für seine Fotos findet, sei es auf einem Blog, in einer Zeitung oder auch nur der eigene Freundeskreis. Es muss ja nicht für jeden gleich eine Ausstellung sein.

Für die meisten haben Fotos damit einen persönlichen Zweck: Erinnerungen festhalten und von Erlebnissen erzählen. Doch wer glaubt’s? Die Fotografie kann noch viel mehr: Ob in der Biologie zum Inventarisieren und Archivieren oder bei der Polizei zum Beweisen von Straftaten( allen voran durch die lieben nervigen Blitzer) oder zum Fahnden einer Person. Die Spannweite ist so groß, dass es unmöglich ist, alles aufzuzählen. Von Fotografien, die wissenschaftlichen Forschungszwecken dienen, über Werbebilder, Dokumentations- und Erinnerungsfotos bis hin zur Kunstfotografie – denn ja, auch die gibt es!

Und für den einen oder anderen Fotografen zählt auch nur der Prozess der Fotografie an sich. Das genaue Bestimmen der Lichtverhältnisse, der technische Prozess, der in der Kamer vor sich geht und das fertige Ergebnis: eine Momentaufnahme, für immer festgehalten.

Nicht erst seit der Fotografie gieren wir Menschen danach, den Augenblick in einem Medium festzubannen: Seit der Antike werden Bilder von historischen Ereignissen gemalt, mit mal mehr und mal weniger Realitätsanspruch. Es ist die Zeit des Realismus, in der die Fotografie geboren wird. Alltägliches sollte in dieser Zeit festgehalten werden. Und genau das haben auch die ersten Fotografen, viele von ihnen von Beruf Künstler, auch getan.

Ist es dieser Realitätsanspruch, den wir auch heute noch haben? Wohl kaum. Warum sonst erfährt so ziemlich jedes Bild vor seiner Veröffentlichung noch eine Bearbeitung? Geht es um die Aussage, die wir mit dem Bild treffen wollen? Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Und doch will ich nicht mit jedem Bild etwas aussagen, kann auch nicht hinter jedem Bild eine Aussage finden. Schon gar keine eindeutige. Gehört die Frage, warum wir fotografieren, vielleicht mit zu den großen unbeantwortbaren Fragen, wie die nach dem Sinn des Lebens? Gewagte These. Und doch, so ganz eindeutige Antworten lassen sich tatsächlich nicht finden.

Oder was meint ihr? Warum fotografiert ihr?

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3 Kommentare zu „Wozu Bilder?

    1. Das ist wahr, viele Fotos können auch einfach emiotional von Bedeutung sein. Manchmal kommt es gar nicht darauf an, was man fotografiert, sondern was man mit dem fotografierten verbindet!

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