Literarisches

Postkarte aus Neapel

Heute habe ich im Rahmen einer Recherche eine Postkarte gefunden, die den Vesuvausbruch von 1872 zeigt. Es ist ein Foto, dass von Giorgio Sommer am 26. April 1872 aufgenommen und später eben in Form solcher Postkarten Verbreitung fand. Die rote Kolorierung stammte vermutlich von einem Künstler namens Richter. Was mich daran interessiert hat, war nicht das Bild selbst, sondern die Nachricht auf der Rückseite, die in Sütterlin, also altem Deutsch, verfasst wurde. Es war nicht ganz leicht zu lesen, schließlich habe ich nie Sütterlin gelernt, aber irgendwie habe ich es doch geschafft, den Text zu entziffern. Interessanterweise ist er 30 Jahre nach dem Vesuvausbruch verfasst worden. Auf der Rückseite der Postkarte stand Folgendes:

„7. April 1902
Die Stimmung sehr gehoben, die Farben am Vesuv droben, die Aussicht ist herrlich und mein Durst beinahe gefährlich. Grüße Onkel Franz“
Wie man sehen kann, handelt es sich hier um einen kurzen Reim. In Verbindung mit der Tatsache, dass die Postkarte ein Ereignis zeigt, das wohl alles andere als angenehm zu bezeichnen ist, lässt das die Zeilen satirisch wirken. Ich frage mich, wer diese Postkarte wohl erhalten hatte. Herausfinden werde ich es niemals, aber ich erfreue mich an diesem Überbleibsel einer längst vergessenen Zeit, dass uns noch immer zum Lachen bringen kann.
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